TheaterPACK
© Leipziger Volkszeitung, 16. März 2017

Großer Spaß: „Pension Schöller“ im Laden auf Zeit

Von Juliane Lochner

Der Umbau ist geglückt. Am Dienstagabend verwandelte das Ensemble Theaterpack sein bescheidenes, verwinkeltes Domizil in der Kohlgartenstraße in die „Pension Schöller“, um die Premiere des gleichnamigen Stückes unter Regie von Frank Schletter zu feiern. Seit dieses 1890 entstandene Lustspiel von Wilhelm Jacoby und Carl Laufs die Kulturlandschaft bereichert, haben sich schon Generationen von Zuschauern vor Lachen gebogen – und das ist auch diesmal im Laden auf Zeit nicht anders.
Am Anfang steht ein Deal zwischen dem vermögenden Pensionär Philipp Klapproth und dessen Neffen Alfred: Letzterer bekommt sein Geschäft vom Onkel finanziert, wenn er es möglich macht, dass sich der alte Klapproth einmal im Leben zu seiner Gaudi in einer Irrenanstalt umsehen darf. Alfred führt den nichts Ahnenden kurzerhand in die Pension Schöller, wo sich genügend sonderbare Zeitgenossen tummeln, die nach Ansicht des Neffen als meschugge durchgehen können.
Klapproth macht die Bekanntschaft eines großmäuligen Weltenbummlers und einer übereifrigen Schriftstellerin, die unentwegt aus dem ewig sprudelnden Quell des Lebens schöpft und Klapproth zu illustren Ausschmückungen seiner Biografie inspiriert. Die skurrilste Figur ist aber der Möchtegern-Schauspieler, der ebenso tragisch wie heldenhaft gegen seinen Sprachfehler ankämpft – er spricht „n“ statt „l“ – , aber sich vor keiner noch so grandiosen Rolle scheut, sei es Othenno oder Wannenstein.
Der arme Klapproth, von allen Seiten durch Spinner bedrängt, gerät tüchtig in die Bredouille, weshalb er bald wieder das Weite sucht. Allerdings heften diese kauzigen Gestalten sich an dessen Fersen, im Folgeenden erwartet ihn zu Hause eine regelrechte Heimsuchung. Zum Glück richtet sich das Ganze zum Besten für alle Beteiligten, und mit dem Etikett „wunderbarer alter Knacker“, das ihm einer seiner neuen Bekannten verpasst, kann Klapproth wahrscheinlich gut leben. Am Ende ist die Botschaft jedem klar: Wir haben alle unseren Vogel.
Die insgesamt 13 Rollen werden in Frank Schletters Regie von vier Darstellern gespielt, die im fliegendem Wechsel auf die Bühne stürmen, der umwerfende Mario Rothe-Frese als Onkel und Neffe Klapproth vorneweg. Die anderen Rollen übernehmen mit sprühendem Esprit Johannes Gabriel, Rebecca Lara Müller und Mona Schubert. Zur genüsslichen Unterhaltung trägt auch die nostalgische Atmosphäre bei, von der Bühnengestaltung über die Kostüme bis hin zur Sprache, in der es noch Wörter wie „fidel“ und „famos“ gibt. Sapperment, was für ein Spaß!