TheaterPACK

© Leipziger Volkszeitung vom 30. November 2009

Geschrei und Gegurre
Rundum gute Unterhaltung: In „Tschechow!“ spielen die TheaterPACK-Darsteller wunderbar mit ihren Stimmen

Man weiß sich doch gleich im Banne von Mütterchen Russland, wenn ein pausbackiges Mädel im blauen Trachtenrock herzig „pri-vjetstwuju was, dorogije gosti!“ ins Publikum spricht, so geschehen am Samstag zur Premiere von „Tschechow!“, einer Inszenierung von drei Einaktern des gleichnamigen Erzählers und Dramatikers im UT Connewitz. Dort versetzte das TheaterPACK in der Regie Frank Schletters ins ländliche Russland des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Sie mögen zunächst verträumt wirken, die im beschaulichen Nichtstun dahinlebenden Gutsherren und -damen; doch dass manch starker Charakter in der Einöde gedeiht, davon geben die Stücke „Der Heiratsantrag“, „Über die Schädlichkeit des Rauchens“ und „Der Bär“ beredtes Zeugnis. Da ist zum Beispiel die brave Natalia, um deren Hand Iwan Wassiljewitsch anhält: Ehe man sich’s versieht, haben sich beide in einen verbiesterten Streit – sagen wir um des Kaisers Bart – hineingesteigert, der aus dem schüchternen Heiratskandidaten ein befracktes Scheusal und aus Natalia eine Furie macht. Die Verwandlung der Temperamente taucht die Zuschauer in ein Wechselbad von Geschrei und Gegurre, in dem die Wellen hoch schlagen.
Tatsächlich machen die drei Schauspieler Natascha Mamier, Thomas Streipert und Günter Schoßböck wunderbaren Gebrauch von ihren Stimmen: Zwischen säuselndem Flehen und donnerndem Aufbrausen wird da alles aufgeboten, was die Kehlen hergeben, und das Publikum schlägt sich vor Gelächter auf die Knie.
Schön, auch mal solch gewählte Sprache zu hören, wie: Ich erlaube mir zu hoffen. Wer so etwas sagt, der ist ein trauriger Pantoffelheld, und auch den gibt’s an diesem erheiternden Abend zu bemitleiden, ehe nochmals so eine Frau mit Haaren auf den Zähnen auftritt, die den Gläubiger abwimmeln will und schließlich dessen Respekt und Liebe erntet, eben weil sie „kein sentimentales Rührei“ ist.
Als i-Tüpfelchen wird zwischen den Stücken russisch gesungen, und das mit viel Herz. Also rundum richtig gute Unterhaltung, die man sich nicht entgehen lassen sollte
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Juliane Lochner

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