TheaterPACK präsentiert im Laden auf Zeit:
Lesebühne „Schöne Bücher“
Andreas Wassermann, Maik Baumgärtner und Volly Tanner
Diese Reihe präsentiert die literarische Vielfalt von Verlagen des „Schöne Bücher“-Netzwerks.
#1 edition überland: „Wir suchen ein Land“ – Roman einer Emigration
Lesung und Gespräch mit den Herausgebern Maik Baumgärtner und Andreas Wassermann
Sie haben ihr Land verloren – an die Nazis, den Terror und den Ungeist der Zeit. Karl, Gusti, Moses, Justus und die beiden Jungen Peter und Paul finden sich als politische Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland in Böhmen wieder. In einem baufälligen Haus am Fluss, der sogenannten „Spinne“, leben sie in einer unfreiwilligen Emigranten-Kommune. Sie teilen die Sorge um das tägliche Überleben, die Unsicherheit der Flucht und die Sehnsucht nach einem Ort, an dem ein neues Leben möglich ist.
Robert Grötzsch schrieb seinen Roman 1936 als unmittelbare Momentaufnahme der antifaschistischen Emigration. Anders als die komplex verwobenen Exilromane von Feuchtwanger, Remarque oder Anna Seghers erzählt „Wir suchen ein Land“ direkt und eindringlich vom ersten Exilland der deutschen Emigrantinnen und Emigranten: der Tschechoslowakei.
Ein wiederentdeckter Roman
Mit der Neuherausgabe von „Wir suchen ein Land. Roman einer Emigration“ machen Maik Baumgärtner und Andreas Wassermann einen heute nahezu vergessenen Text wieder zugänglich. Grötzsch schrieb hastig, konkret und direkt – in einer Tradition jener „Asphaltliteratur“, die in der Weimarer Republik für Aufsehen sorgte und von den Nationalsozialisten bekämpft wurde.
#2 Edition Outbird: Volly Tanner – „Narr unter Nattern“
Unsere Welt hat Risse, da scheint das Licht hinein. Der Suchende in Volly Tanners „Narr unter Nattern“ fällt in einem Moment tiefster Zweifel, angestoßen vom großen schwarzen Hund, durch genau diese Risse, findet Wärme und Intelligenz, Philosophie und Humor und die Weisheit anderer, denen er Fragen stellen kann. Seine große Reise in die unterschiedlichsten Gegenden außerhalb der festgefahrenen Gewissheiten berauscht sich im Duktus des Beat, ruft dystopische Landschaften auf, lässt den Protagonisten reifen und öffnet die Risse sanft und freundlich für die Lesenden, damit auch sie das Licht erspüren können.
Der große P. K. Dick hinterfragte die Realität, Tanner hinterfragt die Innenseiten der Höhle, die Platon erdachte und in der wir alle derzeit zu leben scheinen, fiebrig, belastet und verwundet.
Nach zehn Büchern voller Punk-Poesie hat Tanner mit „Narr unter Nattern“ seine Apokryphen abgeliefert. Darin versinken birgt die Chance, aus der Straßen bedrückender Enge und der Religionen ehrwürdiger Nacht ans Licht zu kommen.
